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Cabane de Bertol: Die spektakulärste Aussichtsplattform der Walliser Alpen

Es gibt Hütten mit schöner Aussicht, und es gibt die Cabane de Bertol. Auf einem isolierten Felsturm auf 3311 Metern über dem Zusammenfluss des Glacier d'Arolla und des Haut Glacier d'Arolla gelegen, ist sie die vielleicht dramatischste Bergunterkunft der Schweizer Alpen. Kein Wanderweg führt hinauf — der letzte Abschnitt verlangt Leitern, fixe Ketten und ein gewisses Maß an Schwindel freiheit. Wer die Hütte kennt, vergisst sie nicht.

Lage und Zugang

Die Cabane de Bertol liegt im Schweizer Kanton Wallis, etwa sieben Kilometer östlich von Arolla im Val d'Hérens. Die Hütte ist SAC-bewirtschaftet und bietet rund 80 Schlafplätze, ein warmes Abendessen und alle Annehmlichkeiten, die man nach einem langen Gletschertag braucht.

Der normale Zustieg beginnt in Arolla (1998 m) und folgt zunächst einem gut markierten Wanderweg über die Weide unterhalb des Glacier d'Arolla. Ab dem Gletscherrand wird Seilschaft empfohlen. Das Eis ist im Sommer in der Regel gut gangbar, aber Spalten sind vorhanden. Gesamthöhendifferenz von Arolla zur Hütte: rund 1300 Meter, Zeit: vier bis fünf Stunden.

Das Besondere kommt am Ende: Die letzten 50 Höhenmeter zur Hütte sind in den Fels gesprengte Leitern und angekettete Eisenklampen. Der Felsturm, auf dem die Hütte steht, ist von allen Seiten steil; man erreicht die Hüttentür buchstäblich durch senkrechtes Klettern. Die Grifftemperaturen im Schatten können auch im Juli unter null liegen.

Die Hütte selbst

Das aktuelle Gebäude stammt aus den 1980er Jahren und wurde seither mehrfach renoviert. Es ist ein solider, an den Fels geklammter Bau ohne architektonische Ambitionen — Funktion vor Form. Der Gastraum bietet Panoramafenster nach Westen und Süden, mit direktem Blick auf die Dent Blanche (4357 m) und die Pointes de Bertol. Die Atmosphäre ist alpinistisch geprägt: Die Mehrheit der Gäste ist auf der Haute Route unterwegs oder plant Hochtouren in der Region.

Cabane de Bertol CAS ist auf unserer Karte eingetragen. Betten: etwa 80, Halbpension. Reservierung über die SAC-Buchungsplattform, in der Hochsaison (Juli/August) Wochen im Voraus nötig.

Position auf der Haute Route

Die Bertol-Hütte ist ein Schlüsselpunkt der Haute Route Chamonix–Zermatt, der klassischen Hochtourentraverse der Westschweizer Alpen. Sie liegt auf der fünften Etappe, zwischen der Cabane des Vignettes (Arolla-Region) und der Schönbielhütte (nördlich von Zermatt). Der Übergang von der Bertol-Hütte zur Schönbielhütte führt über den Col de Valpelline (3562 m) und den Glacier de Zmutt — ein langer, gletschertechnisch anspruchsvoller Tag.

Die meisten Haute-Route-Gruppen verlassen die Bertol-Hütte zwischen 3 und 5 Uhr morgens, um den Col de Valpelline im frühen Morgenlicht zu erreichen, bevor die Nachmittagswärme die Schneequalität verschlechtert. Dieser frühe Aufbruch, die Sternenhimmelatmosphäre und das erste Morgenrot über den Walliser Viertausendern gehören zu den stärksten Erlebnissen der gesamten Route.

Technische Anforderungen

Steigeisen und Pickel sind für den Zustieg obligatorisch. Wer noch nie auf einem Gletscher unterwegs war, sollte die Bertol-Hütte nicht als Einstiegsprojekt wählen. Ein Grundkurs alpines Bergsteigen — angeboten von DAV, ÖAV, SAC und CAS — schafft die nötigen Vorkenntnisse.

Die Kletterpassage am Ende des Zustiegs ist nicht schwierig (UIAA I bis II), aber exponiert. Schwere Rucksäcke erhöhen die Anforderungen; Kinder unter zwölf Jahren und unerfahrene Hüttengeher sollten alternative Hütten in der Region wählen.

Geschichte und Name

Bertol ist ein altes walserisches Wort, dessen Herkunft unklar ist — möglicherweise ein Eigenname oder ein altes Dialektausdruck für den felsigen Turm. Die erste Hütte auf diesem Standort wurde 1882 vom SAC errichtet. Die exponierte Lage war von Beginn an strategisch gewählt: Als Knotenpunkt zwischen mehreren Hochtourenrouten und Hochpässen.

Plane deine nächste Tour

Die Cabane de Bertol und alle weiteren SAC-Hütten auf der Haute Route sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Karte öffnen