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Ortler-Skirunde: Mehrtägige Skitour in Südtirol

Der Ortler (3905 m) ist der höchste Berg Südtirols und einer der beeindruckendsten Gipfel der Ostalpen. Die Ortler-Skirunde ist eine mehrtägige Skitourenroute, die um das Massiv führt — durch vergletscherte Hochlagen, über Pässe, die im Sommer als Klettersteige frequentiert werden, und vorbei an Hütten, die das Beste der Südtiroler Bergtradition repräsentieren.

Die Route

Die klassische Ortler-Skirunde wird in drei bis fünf Tagen absolviert und beginnt typischerweise in Sulden (1900 m), dem wichtigsten Ausgangsort für Ortler-Touren. Sulden liegt im Suldental, südwestlich von Merano, und ist von Meran über die Stilfserjochstraße erreichbar.

Etappe 1, Sulden – Zufallhütte: Von Sulden steigt man durch den Suldenferner hinauf zur Zufallhütte (2264 m), einer gut ausgestatteten Hütte am Suldenjoch. Der erste Tag ist technisch moderat; er dient der Akklimatisierung und dem Kennenlernen des Geländes.

Etappe 2, Zufallhütte – Rifugio Casati: Über den Veneziajoch (3386 m) und den Suldenferner gelangt man zum Rifugio Casati (3254 m), der höchsten Hütte der Tour. Casati liegt knapp unterhalb des Ortler-Normalwegs und ist Startpunkt für Gipfelversuche auf den Ortler.

Etappe 3, Rifugio Casati – Rifugio Pizzini: Via Madaccio-Hoch (3237 m) und Passo di Saent (3177 m) gelangt man zum Rifugio Pizzini (2706 m) im Valfurva auf der lombardischen Seite des Massivs. Pizzini ist ein komfortables Rifugio mit langer Geschichte.

Etappe 4, Rifugio Pizzini – Sulden: Rückweg über den Passo Zebrù (3021 m) und den Zebrùgletscher zurück nach Sulden. Dieser Abschnitt hat im Frühjahr oft die beste Schneequalität.

Die Hütten

Die Zufallhütte liegt auf 2264 Metern und ist von März bis Mai geöffnet. Sie ist ein klassisches Südtiroler Berghaus mit warmer Küche — Knödel, Gulasch, Apfelstrudel — und gut ausgestatteten Lagern.

Das Rifugio Casati (oder Hütte am Ortler, wie die deutsche Bezeichnung lautet) auf 3254 Metern ist das alpinistische Herzstück der Route. Die Hütte ist von März bis Mitte Mai für Skitouren geöffnet und bietet Übernachtung für rund 60 Personen. Von hier ist der Normalweg auf den Ortler (UIAA II bis III) im Winter ein anspruchsvolles Unternehmen, das nur für erfahrene Alpinisten geeignet ist.

Das Rifugio Pizzini (2706 m) im Valfurva ist eine der bekanntesten Hütten der Ortler-Gruppe: großes, gut geführtes Rifugio mit ausgezeichneter lombardischer Küche, Terrasse mit Blick auf die Königspitze (3859 m) und den Monte Zebru (3735 m).

Technische Anforderungen

Die Ortler-Skirunde ist eine anspruchsvolle Skitour, keine Anfängerroute. Voraussetzungen: — Erfahrung in Gletscherskitouren (Steigeisen, Pickel, Seil für Spaltensicherung) — LVS-Gerät, Lawinenschaufel und Sonde — Sicherer Umgang mit Steilgelände (bis 40 Grad) — Wetterkunde und alpine Erfahrung

Die besten Bedingungen sind von Anfang März bis Mitte Mai; Schneelage und Lawinenbulletin täglich prüfen.

Der Ortler als alpinistisches Ziel

Der Ortler ist nicht nur ein Skitourengebiet — er ist einer der klassischen Bergsteigerberge der Alpen. Der Normalweg über den Hintergrat (UIAA II bis III) wurde 1804 von Josef Pichler erstmals begangen; die Route ist heute eine der begehrten Frühjahrstouren für alpinistische Skitourer, die nach der Abfahrt auch den Gipfel anstreben. Vom Rifugio Casati aus sind es noch rund 650 Höhenmeter zum Ortler-Gipfel; die kombinierte Skitour mit Gipfelbesteigung ist ein Mehrtagesprojekt von hohem Anspruchsniveau.

Die Königspitze (3859 m) und der Monte Zebru (3735 m) nahe dem Rifugio Pizzini bieten ebenfalls klassische Skitourenrouten; beide sind für versierte Skialpinisten ohne extremes technisches Niveau erreichbar.

Besonderheiten der Region

Das Ortler-Gebiet liegt in Südtirol, der deutschsprachigen Autonomen Provinz Italiens. Das bedeutet: Die Hütten sprechen Deutsch, das Essen ist Südtiroler Küche, aber die Bergführer und Skitourenführer sind oft bilinguale Alpinisten mit sowohl tirolerischer als auch lombardischer Bergführer-Ausbildung.

Die Strade Statale dello Stelvio (Stilfserjochstraße), eine der höchsten asphaltierten Straßen Europas (2757 m), ist im Sommer ein beliebter Radsport-Pilgerweg; im Winter ist sie geschlossen, was die Abgeschiedenheit des Ortler-Gebiets erheblich erhöht.

Zugang und Infrastruktur

Sulden ist per Bus von Meran erreichbar (Linie 271, Fahrtzeit ca. 2 Stunden). Das nächste Flugfeld ist Bozen/Bolzano (ca. 1,5 Stunden) oder Mailand-Malpensa (3,5 Stunden). Ski-Depot in Sulden und Skiverleih für Tourenskier und Fell sind vorhanden. Das Rifugio Pizzini ist von Bormio im Valfurva mit dem Privatauto erreichbar; Bormio ist mit dem Bus von Sondrio und per Zug-Bus-Kombination von Mailand erreichbar.

Auf der Karte erkunden

Das Rifugio Pizzini, die Zufallhütte und weitere Hütten der Ortler-Gruppe sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Karte öffnen