Mixed-Klettern: Fels, Eis und die M-Skala
Zwischen dem alpinen Wandern und dem technischen Klettern liegt eine Zone, die weder das eine noch das andere ist: Mixed-Klettern. Es ist die Disziplin, die Fels und Eis gleichzeitig begeht, die mit Eisschrauben in Fels-Schnee-Kombinationen sichert und die Steigeisenzacken auf blanken Granit setzt. Es ist das Terrain, das die Zugänge zu den großen Hochhütten im Winter und Frühling prägt — und das alpine Klettern in seiner reinsten technischen Form.
Die M-Skala
M steht für Mixed — Fels-Eis-Kombinationen. Die M-Skala läuft von M1 (einfachstes Mixed-Klettern, kaum Schwierigkeit) bis M16 und darüber hinaus für extremes Dry-Tooling in Überhängen. Die relevante Spanne für Alpinisten, die Hütten und Hochtouren anpeilen, liegt bei M2 bis M6.
M1–M2: Einfaches gemischtes Gelände; Steigeisen auf Fels, gelegentlich Eispassagen. Entspricht dem Zustieg zu vielen Winterhütten, zum Beispiel zum Winterraum der Nürnberger Hütte im Stubaital oder zu frühen Frühjahrsrouten in den Dolomiten.
M3–M4: Kurze senkrechte Eispassagen, Fels-Hakenplatten, Doppel-Eisaxt nötig. Entspricht dem Niveau klassischer alpiner Nordwand-Einstiege im Winter.
M5–M6: Überhängende Mixed-Stellen, Frontpunkte auf kleinen Felsleisten, Dry-Tooling-Technik. Alpinistisch für Einstiege moderner schwieriger Winterrouten.
M7 und darüber: Hallensport oder extreme Linien; für die klassische Alpinistik kein praxisrelevantes Terrain.
Dry-Tooling
Dry-Tooling ist das Klettern mit Eisäxten und Steigeisen auf trockenem Fels — ohne Eis. Die Hakenspitzen der modernen Leistungsäxte (Petzl Ergonomic, Black Diamond Fuel, Grivel X-Monster) greifen in winzige Risse und auf Kristalle, die keine menschliche Hand greifen könnte.
Dry-Tooling als Hallensport und Wettkampfdisziplin hat sich von der alpinen Praxis weitgehend entkoppelt; die extremen M-Grade werden heute in speziellen Kletterhallen und an künstlichen Strukturen geklettert. Für alpine Zwecke ist Dry-Tooling aber weiterhin relevant: Wenn Fels gefroren ist, wenn kurze Passagen keine lohnende Eisstruktur bieten oder wenn die Eisäxte bereits in der Hand sind und ein kurzer Felsabschnitt überwunden werden muss.
Alpines Eisklettern
Pures Eisklettern — WI-Skala (Waterfall Ice) — ist die Begehung von Gletscherwasserfällen und gefrorenen Rinnen. WI1 bis WI3 sind technisch zugängliche Routen für Einsteiger mit Grundausbildung; WI4 bis WI5 erfordern starke Armkraft, präzise Platzierung und Erfahrung mit Eis-Schraubenplacements; WI6 und darüber sind Leistungsalpinismus.
Für Hüttenrouten im Hochgebirge relevant ist WI1 bis WI3: das Niveau der meisten gefrorenen Rinnen auf Zugangswegen zu Winterhütten im Gebirge. Die Mitnahme von zwei Eisschrauben und die Fähigkeit zur einfachen Zwischensicherung ist für diese Grade ausreichend.
Die Zweiaxt-Technik
Mixed- und Eisklettern werden mit zwei Eisäxten durchgeführt. Die modernen Leistungsäxte sind kurz (42 bis 52 cm), stark gebogen und auf aggressives Platzieren ausgerichtet. Die Technik basiert auf diagonalem Arbeiten: eine Axt gesetzt, Körpergewicht darin abgestützt, zweite Axt gesetzt, hochsteigen, erste Axt neu platzieren.
Für das alpine Gelände — nicht den Leistungssport — ist der klassische Pickel mit dem Zusatz eines kurzen Hammerpickels auf der zweiten Hand die praktischste Lösung: Die erste Hand führt den langen Pickel für Schnee und sanfte Eispassagen; die zweite Hand den kurzen für steile Eisstellen.
Steigeisen für Mixed-Klettern
Für gemischtes Gelände werden 12-Zacker-Steigeisen mit Frontpunkten benötigt. Die Frontpunkte können horizontal (für Schnee und Firn effizienter) oder vertikal (für Fels besser) ausgerichtet sein. Für alpines Mixed-Klettern sind modulare Systeme wie der Petzl Sarken oder Grivel G12 eine gute Wahl, die beide Einsätze abdecken.
Sicherungstechnik
Im Mixed-Gelände werden Sicherungen aus Eisschrauben (im Eis), natürlichen Felsankern (Klemmkeile, Cams im Riss), Felsnapfhaken und Pitonhaken kombiniert. Die Abstände zwischen Zwischensicherungen im Mixed-Gelände sind wegen der unterschiedlichen Platzierungsqualität oft größer als im reinen Sport- oder Alpinklettern — das erfordert erhöhte Risikobereitschaft und Routinierung.
Auf der Karte erkunden
Hütten in klassischen Mixed-Klettergebieten — Dolomiten, Westalpen, Stubaier Alpen — sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Karte öffnen